Die Maler- und Lackierer-Innung Freiburg wurde 1979 100 Jahre alt


St. Lucas-Fahne der Maler-Innung Freiburg im Breisgau.
Neuschöpfung nach der alten, im Augustinermuseum befindlichen Zunftfahne des 18. Jahrhunderts.

Symbolik: St. Lucas mit Schrifttafel, Evangelien schreibend. Der Stier als Attribut dient ihm als Ruhesitz. Auf Seide gemalt.

Gestaltung:
Heinrich Reichle, Dipl.- Malermeister.


Malerwappenscheibe im "Ältesten Rathaus, der sogenannten Gerichtslaube".
Zunft- und Innungssymbol St. Lucas mit Stier und historischem Wappenschild, den drei Schilden.

Entwurf:
Heinrich Reichle
Ausführung:
Firma Isele - Freiburg-St. Georgen.


1879 vereinten sich die Malerbetriebe, wie es das Gesetz befahl, in einer Innung. Dies war ein dringendes Erfordernis, da die wirtschaftliche Expansion der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts die Betriebe vielfach vor bis dahin unbekannte Probleme stellte.
100 Jahre bedeuten viel und müssen durchgestanden sein, denn nicht nur glückliche Zeitepochen waren der Innung beschieden. Kriege, Zerfall der Währungen und die daraus resultierenden Vermögensverluste waren der bittere Kelch, welcher auch unserem Berufsstand dargeboten wurde und bis zur Neige gekostet werden musste. Unbeugsamer Wille machte es möglich, allen Wiederwertigkeiten zu trotzen und zu überleben.
Da es der erste Aspekt unseres Seins ist, in den Betrieben für genügend Lebendigkeit zu sorgen, sind zum Ausgleich fröhliche Stunden erforderlich. Diese zu pflegen hat sich die Innung stets zur Aufgabe gestellt, und während der festlichen Tage wird sie köstliche Problem präsent halten.
Unserem Protektor der 100-Jahr-Feier, Herrn Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel, sei für das der Innung stets erwiesene Wohlwollen Dank entboten. Derselbe sei auch Herrn Landrat Dr. Emil Schill zuteil, in dessen Amtsbereich sich Mitglieder der Innung seines Wohlwollens erfreuen.
Mit besonderer Freude dürfen die Mitglieder vermerken: Unsere Malerorganisation, Zunft und Innung zählt 686 Lenze und ist bis zum heutigen Tag von Initiative erfüllt.
Liebenswerte Gäste werden uns besuchen und wir werden uns bemühen, sie mit großer Herzlichkeit zu empfangen und zu betreuen, denn sie sollen sich stets mit Freude an die Freiburger Jubiläumstage zurückerinnern.
Lasst uns alle - so unser Wunsch - Gäste, Meister, Meisterinnen, Mitarbeiter und Freunde unserer Maler- und Lackierer-Innung die festlichen Stunden erwarten. Freudigen Herzens seien sie Ihnen dargeboten.
Wilhelm Eschle
Obermeister

1879 - 1979 “Hundert Jahre Malerhandwerk mit goldenem Boden?“
von Stanislaus Kaiser, Malermeister
Es wird daraufhin beschlossen, die Innungsgeschäfte solange einzustellen, bis wieder bessere Zeiten eintreten und die Mitglieder wieder in der Lage sind, ihre Beiträge zu leisten."
So entnommen aus dem Protokollbuch der ,,Maler-, Lackierer- und Vergolder-Zwangsinnung Freiburg" unter dem 18. September 1923. _Bei einem Rückblick auf die vergangenen hundert Jahre sind auch dem jungen Menschen drei dominierende Ereignisse bekannt: zwei Weltkriege mit furchtbaren Folgen und dazwischen eine Inflation, die die Bevölkerung in große Not versetzte. _Doch nur der, der sich intensiver mit der Geschichte, der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und auch mit lokalen Auswirkungen und Ereignissen vertraut macht, spürt etwas vom Existenzkampf des einzelnen in diesen Jahren.
Dabei waren auch die Zeiten vor 1879 nicht gerade ruhig verlaufen: Das Zunftwesen war schon Jahrzehnte zuvor beseitigt worden und es herrschte Gewerbefreiheit. _Die zunehmende Industrialisierung schuf den Stand des einfachen Arbeiters, der in Abhängigkeit und Not oft nur dahinvegetierte.
Doch ab 1871 kam vor allem durch Zahlung einer französischen Kriegsentschädigung viel Geld nach Deutschland. Die Bildung des Deutschen Kaiserreiches (Wilhelm I.) mit Bismarck als Kanzler schuf im Lande vorübergehend Ruhe und Einheit und Bündnisse mit Österreich-Ungarn (1879) und Italien (1882) brachten auch nach außen eine gewisse Stabilität. _Einerseits wirtschaftlicher Aufschwung, aber auch Kriegsgefahr durch verstärkte Rüstung, andererseits der Zug der Menschen vom Lande in die Stadt, vom Bauern zum Arbeiter -, mit allen Nachteilen der Beengung, sozialen Not und Unruhe.
Die Gründung von Gewerkschaften war zwangsläufig, aber auch der Erlass von Wohlfahrtsgesetzen und die Einrichtung von Unfall- und Altersversicherungen für die Arbeiter.
Inmitten dieser Veränderungen stand das Handwerk. Teile davon entwickelten sich in den Bereich der Industrie, und nur der Zusammenschluss der verbleibenden Handwerkszweige in Innungen konnte ein Absinken auf das Niveau von Lohnarbeitern verhindern und handwerkliches Können und gesunde Ertragslage sichern. Das Handwerk war sich seiner Aufgabe innerhalb der Volkswirtschaft bewusst. Tradition und fachliches Können waren Grundpfeiler eines Standesbewusstseins, das sich in allen Veränderungen der Wirtschaft behaupten konnte. _So sind im Adressbuch der Stadt Freiburg von 1880 33 selbständige Maler aufgeführt und es ist nachzulesen, dass von den 95 Stadtverordneten 25 Handwerker waren. _Auch wird hier ein Malergeschäft Friedrich Schneider genannt. Nahezu hundert Jahre später wird dieser Betrieb noch in der dritten Generation von Carl Schneider geführt.
Man war damals recht bescheiden und fleißig. Ein Stundenlohn von 60 Pfennigen reichte gerade für die notwendigen Bedürfnisse. _Ansprüche, wie sie heute selbstverständlich sind, waren allerdings nicht zu erfüllen. So mussten beispielsweise sechs Stundenlöhne aufgewendet werden, um mit der Personenpost von Freiburg nach Neustadt (40 Kilometer) zu fahren. Auch die billigere Eisenbahn kostete zum Beispiel nach Basel noch den Gegenwert von vier Stundenlöhnen.
Trotz aller Beschaulichkeit setzte sich die Entwicklung zum Industriestaat unaufhaltsam fort. Die Ausfuhr deutscher Erzeugnisse kletterte von drei Milliarden (1880) auf zehn Milliarden Mark (1919) jährlich. Und trotz Zunahme der Bevölkerung in dieser Zeitspanne von 42 auf 66 Millionen sank der Anteil der Landbevölkerung von 19 auf 17 Millionen. _Das Handwerk passte sich dieser Entwicklung an und sein Platz als wichtiger Wirtschaftsbereich neben Industrie, Handel und Landwirtschaft war bedeutend. Die zunehmende Verstädterung brachte Bedürfnisse, die auch das Malerhandwerk sehr stark betrafen. _Daneben wurde die handwerkliche Organisation fest und verbindlich. Regelmäßige Innungsversammlungen, Information durch Vorträge und Rundbriefe, intensive Lehrlingsausbildung und Tarifverträge zur Sicherung einer gerechten Entlohnung der Mitarbeiter waren sichtbare Zeichen der Innungsarbeit. Streitigkeiten um Lohn und Preise, aber auch Reklamationen von Kunden wurden innerhalb der Innung geregelt. _Der Haushaltsaufwand der Maler-Innung Freiburg betrug im Jahre 1910 immerhin 700 Mark. Die gängigen Arbeitstechniken verlangten hohes Können, während die kaufmännische Seite so nebenher und auf einfachste Art erledigt wurde. Die Buchführung erfasste nur Einnahmen und Ausgaben und Rechnungen wurden von Hand geschrieben.
Die günstige Entwicklung nahm mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende. Ein Großteil der Innungsmitglieder wurde eingezogen und nur in günstigen Fällen konnten die Betriebe weitergeführt werden. Der Innungshaushalt sank auf 350 Mark und 1916 sah sich die Innung zu einer Zeitungsanzeige gezwungen zur "Aufklärung der Kundschaft, weil die Meinung vorherrscht, es dürften keine Anstriche mehr gemacht werden und es sei auch kein Material vorhanden".
Nach Kriegsende und den Wirren der Novemberrevolution 1918 wurde zwar durch Reichspräsident Friedrich Ebert der Acht-Stunden-Tag und eine Erwerbslosen-Unterstützung eingeführt und die Gewerkschaften wurden als offizielle Vertreter der Arbeitnehmer anerkannt, aber die harten Bedingungen des Versailler Friedensvertrages und die hohen Kriegsschulden ließen eine wirtschaftliche Gesundung nicht zu. Die inflationäre Entwicklung, die schon während des Krieges begonnen hatte, setzte sich zunehmend fort.
Der Wert eines US-Dollars, der 1914 rund 4,20 Mark betrug, stieg im Januar 1920 auf 42 Mark, erreichte im Juli 1922 500 Mark, und kletterte von 49000 Mark (Januar 1923) auf 4,2 Billionen, die am 15. November 1923 dafür bezahlt werden mussten. Am Schluss dieser Entwicklung kostete ein Ei 150 Milliarden Mark.
Die Löhne mussten von Tag zu Tag erhöht und abends ausgezahlt werden. Der Innungsbeitrag wurde nur jeweils für drei Monate festgelegt. Man muss sich vergegenwärtigen, dass dieser zunehmende Verfall fünf Jahre andauerte, um ermessen zu können, wie groß die Schwierigkeiten und die Not den einzelnen betrafen.
Die Auftragslage der Betriebe war schlechter denn je. Das bescheidene Vermögen des kleinen Mannes, Ersparnisse und Rücklagen fürs Alter waren dahin. Nur Bürger mit bedeutenden Sachwerten und teilweise die Industrie überstanden diese Zeit ohne schmerzliche Verluste. _Dann, nach Ordnung der Geldverhältnisse im November 1923 blieben die Preise stabil und die wirtschaftliche Lage besserte sich. Allerdings beklagten sich Innungsmitglieder über Preisunterschiede von bis zu 200 Prozent bei Submissionen.
Im März 1925 betrug der Verrechnungslohn für einen Malergehilfen 1,63 Mark. Die Gemeinkosten lagen bei 70 Prozent.
Ein Kuriosum sei hier noch berichtet:_Im Juli 1925 trat das Freiburger Finanzamt an die Innung heran um Benennung dreier Betriebe verschiedener Größenordnungen, um einen Durchschnittssatz zur Erhebung von Umsatzsteuer zu ermitteln. _Eine Buchführungspflicht wurde erst 1927 eingeführt. Auch gab es nun eine Arbeitslosenversicherung, die eine Unterstützung von 26 Wochen ermöglichte. Auch eine Reichsverdingungsordnung trat in Kraft und die Innung beschloss, dass für Aufträge der öffentlichen Hand die Anbieter durch die Innung ausgelost werden.
Akkordarbeit war erlaubt und Lehrlinge im dritten Jahr erhielten nur drei Tage Urlaub. Mit dem ,,Schwarzen Freitag", dem 24. Oktober 1929, begann die Weltwirtschaftskrise, deren Folgen auch in Deutschland schmerzlich spürbar waren. _Die Zahl der Arbeitslosen, die 1929 zwischen 1,5 und drei Millionen pendelte, stieg bis 1932 auf sechs Millionen.
Die Auswirkungen trafen das Malerhandwerk besonders hart, und 1932 enthielt der neue Lohntarifvertrag einen Lohnabbau von 16 Prozent. _Die weitere Entwicklung ist sicherlich noch manchem Kollegen in Erinnerung.
Ab 1933 wurden die Innungen neu organisiert und zusammengelegt. Während sich die Auftragslage verbesserte, drang der Druck des Staates auch über die Berufsorganisation immer tiefer in den persönlichen Bereich der Betriebe. _Die Innung wurde zur Pflichtorganisation und ein Fehlen bei Innungsversammlungen wurde bestraft. Ein ,,Fachberater für Handwerkskultur" brachte nur zu deutlich die Politik und Weltanschauung des Dritten Reiches ins Innungsleben.
Der Zweite Weltkrieg ist in den Protokollbüchern der Innung nur durch leere Seiten dokumentiert. Die wenigen Meister, die weiterarbeiten konnten, erinnern sich an Malerarbeiten in einfachster Ausführung.
Doch auch diese harte Zeit nahm ein Ende. Die neuen Anfänge waren schwer. Mangel an Werkzeugen und Material sowie die unzureichende Ernährung ließen einen Wiederaufbau nur in kleinen Schritten zu. Löhne und Preise standen nicht so sehr im Vordergrund.
So ist ein Antrag der Maler-Innung an die Klinikverwaltung in Freiburg vermerkt, ,,den dort beschäftigten Malern täglich ein warmes Essen ohne Lebensmittelmarken zu geben, wie dies den Putzfrauen auch gewährt würde".
Dann, nach der Währungsreform, kam die wirtschaftliche Entwicklung in Schwung. _Neue Werkstoffe, einschneidende technische Veränderungen und hohe betriebswirtschaftliche Anforderungen stellen seither das Malerhandwerk vor immer neue Aufgaben.
Im Auf und Ab der folgenden Entwicklung konnten sich die Maler erfolgreich behaupten. _Die Notwendigkeit einer Anpassung an neue Arbeitsgebiete, das Erkennen von Bedürfnissen und Möglichkeiten, aber auch die Anforderungen an die kaufmännischen Fähigkeiten und die als Last empfundenen Ausweitungen bürokratischer Nebenarbeiten sind Belastungen, die einen ganzen Einsatz erfordern.
So steht das Handwerk heute als wichtiger und vielseitiger Wirtschaftszweig in einem Industriestaat. Es befriedigt Bedürfnisse, die von der Industrie nicht erfüllt werden können und es hat seine Stabilität schon in mancher Krise bewiesen. _Mit diesem Wissen können wir mit Zuversicht in die Zukunft schauen. _Und vielleicht wird man in hundert Jahren von der guten alten Zeit um 1979 sprechen.
Der Wiederaufbau des "Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube"

Fenstermaßwerk: Stiftung der Maler- und Lackiererinnung Freiburg am alten Rathaus, der sogenannten Gerichtslaube
Noch während des Zweiten Weltkrieges und angesichts der ungewissen Zukunft, welche dem deutschen Volke bevorstand, haben Bürger im Feuerwehrrock schon 1943 sich Gedanken über die Zukunft unserer Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht. Die geführten Gespräche im Peterhof, dem einstigen Absteigequartier der Äbte und Mönche von St. Peter, waren stets von tiefer Sorge getragen.
Zu einer kaum lösbaren Aufgabe wurden diese guten Absichten, als nach dem furchtbaren Luftangriff am 27. November 1944 ein Großteil der Stadt zerstört und Tausende von Toten und Verletzten die Folgen dieser Wahnsinnstat waren. Unschätzbare Schäden an Gebäuden und deren Ausstattungen waren zu verzeichnen, und dies in einer Stadt, die keinerlei kriegsentscheidende Industrie beherbergte.
Den Wiederaufbau unserer Stadt sahen die meisten Bürger in jener schrecklichen Zeit als kaum lösbar. Verständlich, dass in erster Linie Wohnungen für die Ausgebombten und in die Stadt zurückkehrenden Bürger geschaffen werden mussten.
Doch trotz allem Ungemach regte sich bald der alte, unveräußerliche Bürgergeist der Freiburger. Sie besprachen Möglichkeiten, wie ihre zerstörten baulichen Kostbarkeiten wieder instandzusetzen wären. Unter den sakralen Bauten waren es die Martins- und Universitätskirche sowie die Michaelskapelle auf dem alten Friedhof. Von den profanen Bauwerken der Basler Hof, das alte Rathaus, die Deutschordenskommende, der Billingsche Prachtbau des Stadttheaters und viele andere.
Verschämt, bescheiden und unbeachtet stand, nach den beiden Tortürmen - Martins- und Schwabentor -, der älteste Profanbau unserer Stadt, das "Älteste Rathaus, die sogenannte Gerichtslaube" im Rathaushof. Gegen 700 Jahre kann das Untergeschoss, die alte Ratsstube, mit seinen hochgotischen Fenstergruppen nachweisen. Das 1552 neugestaltete Übergeschoss mit dem Archivbau verdankt seine Konzeption dem Münsterwerkmeister Jörg Sorger. Die Zerstörungen vermochten die gotischen und renaissance-architektonischen Teile wieder sichtbar zu machen, welche durch Um- und Zubauten von 1744 und 1863 entstellt waren.
Das alte Rathaus und die einstige Kanzlei wurden wieder aufgebaut, dem Aschenbrödel schenkte man, obwohl es an Mahnern nie fehlte, keine Beachtung.
1959 sollte es endlich soweit sein. Eine Vorlage an den Stadtrat, interpretiert durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Josef Brandel, wollte es wahrhaben, dass unser "Ältestes Rathaus" wieder in seiner ursprünglichen Gestalt erstehen sollte.
Kollege Wilh. Eschle hatte nach hartem Ringen mit dem Chef der Lokalredaktion der Badischen Zeitung, Pfeifer, erreichen können, dass im lokalen Teil am Morgen des 12. Juni 1959 und vor der nachmittags stattfindenden Stadtratssitzung ein Aufruf an die Mitglieder des hohen Hauses im Rathaus eingerückt wurde, mit der Bitte, um Zustimmung für den Wiederaufbau des "Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube".
Einige Sätze aus diesem Aufruf seien den Lesern dieser Festschrift vermittelt.
"Eine Ehrensache für alle Freiburger_In seiner heutigen Sitzung beschäftigt sich der Stadtrat mit der Wiederherstellung des Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube. Aus diesem Anlass erscheint es notwendig, das Interesse der Bürgerschaft an einem der wenigen noch vorhandenen profanen Bauwerke des 13. Jahrhunderts zu wecken._In der Ratsstube mögen die zu Ehren und Ansehen gekommenen Kaufleute und selbstbewussten Handwerker aus der damaligen Zeit mit dem Adel die dem Ansehen der Stadt erforderlichen Beschlüsse gefasst haben._Der im Jahre 1498 in Freiburg tagende Reichstag nahm in Gegenwart von Kaiser Maximilian, des hohen Gönners der Stadt, im Ratssaal seinen Anfang._Der 27. November 1944 und die starken Beschädigungen des Rathauses rückten das Gebäude wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Freiburgs Bürger gaben während dreier Jahrhunderte ihr Letztes, um den Bau ihrer Pfarrkirche zu vollenden. Mit der Vollendung der Turmpyramide des Münsters gaben sie der Nachwelt ein Beispiel an Opferbereitschaft und Bürgersinn. So dürfte die Wiederherstellung des Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube, auch für uns eine Verpflichtung enthalten, ihnen nachzueifern? Geben wir darum der Hoffnung Ausdruck, die Verantwortlichen mögen als echte und wahrhafte Freiburger handeln und der Wiederherstellung dieses geschichtlich wertvollen Gebäudes ihre Zustimmung geben._12. Juni 1959 Wilh. Eschle
Doch weit gefehlt. Die Herren Stadträte machten sich mit Mehrheit den Vorschlag zu eigen, einen neuen Ratssaal, unter Einbeziehung der noch vorhandenen mittelalterlichen Architektur erbauen zu lassen. Ein Wettbewerb sollte die Lösung für "alt und neu vereint" erbringen. Mit 15 zu acht Stimmen, bei Enthaltung des Herrn Oberbürgermeisters, wurde die Vorlage abgelehnt. Stadtrat Dr. Schneller und Adler konnten das Blatt nicht wenden - sie waren aber Kämpfer für eine gute Sache. In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, dass der Oberbürgermeister den Wiederaufbau als eine der letzten und großen Aufgaben der Denkmalspflege unserer Stadt angesehen hat.
Auch nach dieser Niederlage wurde die Schar der Aufrechten nicht mutlos. Sie machten sich das Sprichwort "Ein steter Tropfen höhlt den Stein aus" zu eigen. In Wort, Schrift und Bild wurde die Bürgerschaft aktiviert. In beglückender Weise zeigte sie Verständnis und verhalf Impulse an die Verantwortlichen im hohen Rat weiterzugeben.
Eine weitere Gelegenheit ergab der Beschluss der Kreishandwerkerschaft, für den jeweiligen Oberbürgermeister von Freiburg eine neue Amtskette zu stiften. In einer lebhaft geführten Vorstandssitzung der Maler- und Lackierer-Innung wurde die Mittelbereitstellung für die Amtskette davon abhängig gemacht, dass die Stadt ihrerseits Anstrengungen machen möge, das Älteste Rathaus wieder in der mittelalterlichen Form aufzubauen. Unter diesen Voraussetzungen wäre dann auch die Maler-Innung bereit, Mittel für eine Amtskette des Freiburger Oberbürgermeisters bereitzustellen. Obermeister Franz Ullrich ließ diesen Vorstandsbeschluss an den Herrn Kreishandwerksmeister Ruh schriftlich weiterleiten.
Im Juli 1960 nahm der Vorstand der Innung eine Besichtigung des "Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube" vor. Auch diese ergab als Resultat, dass die Maler-Innung auch in Zukunft und mit allen Mitteln sich für den Wiederaufbau einsetzen werde. Diese Inaugenscheinnahme fand einen fröhlichen Abschluss. Unser inzwischen leider verstorbene Kollege Josef Schill wurde Vater; Grund genug, um dies Ereignis in gebührender Weise in der Burse zu feiern.
Seit diesem Zeitpunkt sind fast 20 Jahre vergangen. Der damals "Kleine" wurde erwachsen und während seiner Entwicklung zum Mann verlief gleichzeitig ein unbeugsamer Kampf, dessen Endziel Gegenstand dieses Abschnittes der Festschrift ist.
1961 ging es in Sachen Wiederaufbau einen mächtigen Schritt weiter. Herr Professor Dr. Thieme, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, lud zu einer Besprechung in das Rektorat ein. Zweck: Gründung eines Kuratoriums für den Wiederaufbau des "Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube". Das Kuratorium, welches den Gelehrten neben dem Handwerksmeister in der Verfolgung eines gemeinsamen Zieles stets vereint sah, fand in der Bürgerschaft ungeteilte Zustimmung.
1965 war wieder zu einem Wendepunkt geworden. Herr Universitäts-Professor Dr. Bernd Schwineköper veröffentlichte eine wissenschaftliche Arbeit, die den Beweis erbrachte, dass der untere, große Raum nie als eigentliche Gerichtslaube Verwendung fand, sondern das Schultheißengericht bis Mitte des 15. Jahrhunderts in nächster Nähe des heutigen Bertoldsbrunnens in einer Laube tagte. Er legte weiter fest, dass die untere große Stube seit der Erbauung des Gebäudes Ratsstube der Stadt Freiburg war. Herrn Professor Dr. Schwineköper darf man Dank sagen, dass es uns nunmehr vergönnt ist, Klarheit über die Begriffe "Ratsstube" und "Gerichtslaube" zu haben.
1967 befasste sich der Vorstand wieder mit dem Problem "Wiederaufbau des Ältesten Rathauses". Grund: der im Jahre 1968 in Freiburg stattfindende "Deutsche Malertag". Neben diesem war auch der Landesverbandstag mit verschiedenen Veranstaltungen vorgesehen, und wie Mosaik in diese großen Veranstaltungen eingebettet, dürfte der 675. Geburtstag der Freiburger Zunft und Innungsorganisation zu gelten haben.
Nach Rücksprache mit Martin Hesselbacher, Hauptkonservator des Landesdenkmalamtes in Südbaden, hat der Vorstand der Maler- und Lackierer-Innung beschlossen, ein hochgotisches Fenstermaßwerk anlässlich des 675jährigen Bestehens der "Zunft zum Riesen - Zunft der Maler und der Maler- und Lackierer-Innung" zu stiften. An Stelle des schwer darniederliegenden Obermeisters Franz Ullrich übergab während eines feierlichen Zeremoniells Vorstandsmitglied Georg Stix dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel das Fenstermaßwerk als erstes sichtbares Zeichen für den Wiederaufbau des ,,Altesten Rathauses". Diese Spende des Fenstermaßwerkes fand bald Nachahmung. Die Baugewerks-Innung und der Kaufhof schlossen sich mit der Stiftung weiterer Maßwerke an.
Sieben Jahre standen die Fenstermaßwerke verwaist vor dem Altesten Rathaus. Böse Zungen meinten, diese wären, gleich dem anderen unnützen Plunder, mit dem Bagger schnell weggeschafft. Ein interfraktioneller Antrag von Mitgliedern aller Stadtfraktionen brach letzten Endes das Eis.
Im Februar 1975 wurden die Mittel für den Wiederaufbau vom Stadtrat bewilligt, und im gleichen Jahr, dank unermüdlichen Einsatzes der Bauleute, am 12. Dezember das Richtfest gefeiert. Leider erlag der geniale Meister und Planer des Wiederaufbaues, Gregor Schroeder, einem tückischen Leiden. Dieser Mann hatte schon in jungen Jahren, unter Baudirektor Schlippe, Aufnahmen der Architektur machen dürfen. Dies war ihm für die Planung und Bauausführung von Vorteil. Für die künstlerische Ausgestaltung der Fenster durch Herrn Heinrich Reichle war die Maler- und Lackierer-Innung wieder präsent. Der Genannte hat durch die Kopie der historischen St.-Lucas-Fahne 1968 bewiesen, dass er mit der Formenwelt längst vergangener Epochen wohl vertraut war. Auf Vorschlag des Kuratoriums wurde er daher mit dem Entwurf der Malerwappenscheide im Ratsaal von 1552 beauftragt. Der Entwurf fand dann auch einstimmige Bewilligung aller für den Wiederaufbau verantwortlichen Gremien.
Das erste Fenster, von der Maler- und Lackierer- Innung gestiftet, beinhaltet eine Wappenscheibe, in der Mitte des Evangelisten Lucas mit seinem Attribut, dem Stier und als Krönung das Wappen der Maler mit den drei Schilden.
Dankenswerterweise haben sich die maßgeblichen Freiburger Innungen, der Staat, die Stadt und die Kirche für die Stiftung ausgesprochen. Die Glasmalerwerkstätte Isele in Freiburg St. Georgen hat die bereits fertiggestellten Wappenscheiben in perfekt künstlerischer Auslegung und Fertigung geliefert.
An dieser Stelle darf nicht übersehen werden, dass eine weitere Freiburger Glasmalerwerkstätte, die Firma Böcherer in Freiburg-Haid, die Wappen für die hochgotischen Fenster im Reichstagssaal in Arbeit hat. Auch dieser Firma geht ein ausgezeichneter Ruf voraus. Der einstige Beschluss der Hauptversammlung, die anfallenden Malerarbeiten kostenlos auszuführen, konnte bis jetzt, dank dem Engagement unserer Innungsmitglieder, verwirklicht werden.
Auch unsere Mitglieder im Landkreis sollten angesprochen sein und ein wichtiges Aktivum nicht vorenthalten werden. Das Freiburger "Älteste Rathaus, die sogenannte Gerichtslaube" hat auch für sie Bedeutung. Denn in diesem tagte der Oberhof, welcher als Berufungsinstanz für über 20 Städte und deren Bereiche im südwestlichen Raum zuständig war. Nicht einstimmig gefällte Urteile des zuständigen Gerichtsortes konnten vor die Freiburger Instanz gebracht werden. Vielfach konnte Unrecht wieder gut gemacht werden, denn Freiburg war schon durch den Umstand, dass Ullrich Zasius, der große Rechtsgelehrte, lange Jahre in ihr tätig und wohnhaft war, geradezu ideal, einen gesunden, objektiven Urteilsspruch zu fällen. Dies war während Jahrhunderten der Fall und versinnbildlichte den hohen Stellenwert des Freiburger Stadtgerichts und der Bedeutung des Ältesten Rathauses von Freiburg.
Das große Werk, auf Bürgerinitiative aufgebaut, gehr seinem Ende entgegen. Der Oberbürgermeister unserer Stadt, Herr. Dr. Eugen Keidel, sprach von einem Jahrhundertwerk. Es dürfte ein solches sein. Aber gerade die Maler- und Lackierer-Innung darf sich glücklich schätzen und berechtigt freuen, dass sie stets Bannerträger bei der Verwirklichung des Wiederaufbaus des "Ältesten Rathauses, der sogenannten Gerichtslaube" war. Jedes einzelne Mitglied unserer Innung hat hierzu beigetragen um ein Werk zu schaffen, welches uns alle überdauern wird, aber Zeugnis gibt von einer Malergeneration, die um die Werte ihrer Vorfahren weiß.